Religionsunterricht Pfalz

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Grundschulzeugnisse mit „Könnensprofilen“

Ein Memorandum kirchlicher Beauftragter für den Ev. Religionsunterricht an Grundschulen

Anne Klaaßen, RPI der EKHN
Gisela Scherer, RPZ Kaiserslautern (Ev. Kirche der Pfalz)
Christian Günther, RPZ Zweibrücken (Ev. Kirche der Pfalz)

(18.06.2014)

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Zur Situation

Könnensprofile

Die hier verlinkten Könnensprofile  werden den Schulen als Unterstützungsinstrument und Hilfestellung zur Verfügung gestellt. Sie lassen den Schulen Raum für eigene Könnensprofile oder weitere Ergänzungen. In die konkreten Zeugnisse wird letztendlich nur eine begrenzte Auswahl jener Könnensprofile übernommen, die die Unterrichtsinhalte im Berichtszeitraum des jeweiligen Zeugnisses maßgeblich repräsentieren.

Darüber hinaus bieten die Könnensprofile auch eine gute Anregung für die Lehrer-Eltern-Schüler-Gespräche (LES) und die Lernprozessdokumentation sowie die Rückmeldungen zu den schriftlichen Leistungsnachweisen.
Die Könnensprofile werden klassenstufeneinheitlich festgelegt und von der Gesamtkonferenz beschlossen.

Auf der Seite des Bildungsservers gibt das Kultusministerium den Schulen die Möglichkeit, sich an vorgegebenen Könnensprofilen in den Fächern Deutsch und Mathematik zu orientieren und die verbale Begründung von Zeugnisnoten zu erleichtern. Die Schulen haben dabei zwei Möglichkeiten:
Die Schule wählt das bisherige Zeugnisformular, benoten die Schülerleistung und erläutern in einigen wenigen Sätzen den Lernstand.
Die Schule bzw. die Gesamtkonferenz einigt sich auf einige Könnensprofile und markiert per Ankreuzverfahren den Leistungsstand des Schülers.

Die Lehrer-Eltern-Schüler-Gespräche dienen der weiteren Erläuterung und ergänzen die Noten, Lernstandskennzeichungen und Zeugnisformulierungen.

Könnensprofile Ev. Religion

Für das Fach Evangelische Religion haben wir in einer Arbeitsgruppe Könnensprofile (in Anlehnung an die Vorgaben für das Fach Deutsch) zusammengestellt. Kennzeichen der Könnensprofile sind:

  1. Sie sind aus den Kompetenzformulierungen des TRP abgeleitet.
  2. Sie erläutern die Kompetenzen.
  3. Sie sind inhaltsneutral.
  4. Sie verwenden „Operatoren“.

Das eigene Selbst- und Weltverständnis wahrnehmen, vielgestaltig zum Ausdruck bringen und an biblischen Texten spiegeln

  • Eigene Gefühle beschreiben
  • Von Erlebnissen erzählen
  • Von Erlebnissen erzählen und diese mit biblischen Texten verbinden
  • Eigene Erfahrungen in biblischen Geschichten wiederfinden
  • Sich in Personen aus biblischen Texten hineinversetzen
  • Sich in eine Rolle/biblische Figur hineinversetzen und diese sprachlich gestalten
  • Einfühlungsvermögen entwickeln und zeigen
  • Eigene und fremde Erfahrungen phantasievoll / kreativ gestalten
  • Fragen stellen und nach (vorläufigen) Antworten suchen
  • Über Lernerfahrungen sprechen
  • Die Selbsteinschätzung begründen

Grundformen religiöser Sprache in biblischen Geschichten, Psalmen, Symbolen, Gebeten, Gebärden unterscheiden, deuten und gestalten

  • Wichtige Elemente biblischer Texte wiedergeben
  • Biblische Geschichten nacherzählen
  • Über biblische Texte nachdenken und sich begründet positionieren
  • Einen Text illustrieren
  • Einen Text inszenieren
  • einen Text/Gebet/Lied/Psalm auswendig mitsprechen oder –singen
  • Unterschiedliche Sprachformen nennen und unterscheiden
  • zu Texten Stellung nehmen
  • über den Gebrauch von Gebeten, Gebärden, Symbolen Auskunft geben
  • über die Bedeutung von Gebeten, Gebärden, Symbolhandlungen Auskunft geben

Zentrale Motive des christlichen Glaubens und exemplarische Gestalten der Christentumsgeschichte beschreiben und über deren Bedeutung Auskunft geben

  • Zentrale Motive (Angenommen Sein, Nächstenliebe, Vergebung, …) in Texten erfassen
  • Zentrale Motive in biblischen Texten mit eigenen Worten wiedergeben
  • Alltagssituationen benennen, in denen christliche Motive wichtig sind
  • wichtige Personen der Christentumsgeschichte beschreiben
  • Über zentrale Personen der Christentumsgeschichte und deren Bedeutung Auskunft geben

Unterschiedliche Ausdrucksformen des Glaubens wie Feste, Feiern und Rituale beschreiben und mit vollziehen

  • Kirchliche Feste im Kirchenjahr benennen
  • Kirchliche Feste im Kirchenjahr einordnen und beschreiben
  • Kirchliche Feste mit biblischen Texten verknüpfen
  • Feste und Feiern planen und mitgestalten
  • Gemeinsame Rituale entwickeln

Andere religiöse Lebenswelten wahrnehmen und mit Angehörigen fremder Religionen respektvoll kommunizieren

  • Religiöse Lebensformen benennen, unterscheiden, beschreiben
  • Informationen über religiöse Lebensformen verständlich und sachbezogen weitergeben
  • Mit Angehörigen fremder Religionen respektvoll kommunizieren
  • Gemeinsamkeiten und Unterschiede religiöser Lebenswelten benennen und diskutieren
  • Sakrale Räume beschreiben

Mit Hilfe der biblischen Botschaft lebensförderliche und lebensfeindliche Ansprüche unterscheiden und eigene Wünsche und Vorhaben an ihnen messen

  • Sich gegenseitig helfen und unterstützen
  • In der Gemeinschaft zusammenarbeiten
  • Die eigene Meinung äußern
  • Die eigene Meinung begründen
  • Die Meinung anderer achten
  • Verantwortung für sich übernehmen
  • Regeln und Absprachen vereinbaren und einhalten
  • Sich für faire Lösungen einsetzen
  • Um Verzeihung bitten und verzeihen
  • Verhalten mit biblischen Texten verbinden
  • Verhalten mit biblischen Texten begründen

Zur Verwendung

Variante 1:
Die vorgeschlagenen Könnensprofile dienen als Formulierungshilfe für die verbale Erläuterung der Zeugnisnoten. Im konkreten Zeugnis wird man eine begrenzte Auswahl übernehmen, je nachdem, welche Unterrichtsinhalte im Berichtszeitraum maßgeblich waren und welche Lernleistungen des Kindes besonders hervorgehoben werden.
Mit den Könnensprofilen gliedert sich das Fach Ev. Religion in die aktuelle Bildungsdiskussion ein und leistet im Gesamtkanon der Fächer seinen eigenen Beitrag. Die Verbalformulierung bietet die Möglichkeit, das einzelne Kind mit seinen besonderen Gaben zu würdigen – eins der Hauptanliegen im Religionsunterricht überhaupt.

Variante 2:
Manche Schulen haben bereits per Konferenzbeschluss eine Auswahl von standardisierten, klassenstufeneinheitlichen Könnensprofilen pro Fach und Klassenstufe festgelegt. Hier soll der individuelle Lernstand der Schüler/innen durch das Ankreuzen in einer Tabelle beurteilt werden. Für Fächer wie Musik, Kunst, Sport und Religion stehen aus Platzgründen höchstens 3 Formulierungen zur Verfügung.
Solche standardisierten Zeugnis-Formulierungsvorschäge versuchen den Religionsunterricht insgesamt zu beschreiben. Die Vielfalt möglicher Könnensprofile (siehe Auflistung oben) wird zusammengefasst; dadurch wird die Formulierung sehr komplex. Dem einzelnen Kind in seiner Individualität werden die Beschreibungen nicht mehr gerecht. Auch wenn wir erläutern, was in diesen komprimierten Formulierungen enthalten ist (z.B. welche Kompetenzen abgedeckt werden), wird das Individuelle eines Kindes nicht mehr sichtbar. Trotzdem: Um auch diese Schulen zu unterstützen, schlagen wir drei bzw. fünf Formulierungen als Hilfestellung vor.

Klassenstufeneinheitliche, standardisierte Könnensprofile

  • kirchliche Feste benennen, beschreiben und mit biblischen Texten verknüpfen
    (→ Kompetenz 2, 4, 5)
  • biblische Texte wiedergeben, deuten, gestalten und mit deinem eigenen Leben in Verbindung bringen.
    (→ Kompetenz 1, 2, 3 (teilweise))
  • über dich, deine Umwelt, deinen Glauben nachdenken und herausfinden, wie man die Welt ein Stück besser machen kann.
    (→ Kompetenz 1, 5, 6)

Weitere mögliche Formulierungen

  • über vorbildhafte Menschen Auskunft geben und erläutern, warum sie dir und anderen weiterhelfen.
    (→ Kompetenz 1, 3, 6)
  • wesentliche Elemente anderer Religionen beschreiben und ihren Angehörigen respektvoll begegnen.
    (→ Kompetenz 1, 3, 6)

FAZIT

Wir plädieren für eine individuelle Beschreibung des Lernstandes. Gerade das Fach Religion, in dem die Gaben jedes Kindes in besonderer Weise gewürdigt werden sollen, sperrt sich gegen standardisierte Zeugnisformulierungen. Der individuelle Kompetenzerwerb geht in den wenigen, komplexen Formulierungen verloren. Wir schlagen darum für jedes Kind auch weiterhin eine individuelle, verbale Erläuterung vor und bieten für das Fach Ev. Religion eine Liste von Könnensprofilen an.

 

Eine Druckversion dieses Dokumentes (PDF) samt Anhängen finden Sie hier.


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